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Landaufschwung

Gießereihallen Tangerhütte

Auf dem Weg zur Rettung historischer Industriekultur

Gießereihallen Tangerhütte

Ohne die Gießerei gäbe es die Stadt Tangerhütte nicht – die Hütte am Flüsschen Tanger. Als 1842 neben Vaethen der Aufbau des Eisenwerkes beginnt, leben 345 Menschen in dem Bauerndorf. Durch das Werk entwickelt es sich innerhalb weniger Jahre zu einem wirtschaftlichen Zentrum. Arbeiter ziehen nach Vaethen, gründen Familien. Sie benötigen Häuser, Versorgung, Dienstleistungen. Handwerker siedeln sich an, Händler eröffnen Läden. Es folgen Schulen, Bahnhof, Rathaus. Die Eisenhütte expandiert.

Das sieht man der Stadt noch immer an. Während der DDR-Zeit und bis heute gibt das Eisenwerk Menschen Arbeit. Sehr prägend  für die Stadt waren die Jahre bis 1945. In der Nacht zum 1. Juli rückt die sowjetische Armee in Tangerhütte ein. Der damalige Besitzer Johann Jacob Robert Franz Wagenführ, der Enkel des Hüttengründers, verließ mit den abziehenden westlichen Besatzungstruppen die Stadt. Zurück blieben nicht nur zwei imposante Fabrikantenvillen, das sogenannte Alt und Neue Schloss, sondern auch die Produktionsanlagen in einmaliger Architektur entlang der Industriestraße.

Um einen Teil dieser historischen Gebäude aus der Blütezeit der Hütte kümmert sich derzeit der Verein „Aus einem Guss“ mithilfe von Land(auf)Schwung. Und das hat einen einfachen Grund. „Die Gießerei hat nicht nur die Stadt und Region Tangerhütte geprägt, sondern gehört zur Industriegeschichte des Landes“, sagt Vereinsvorsitzender Dr. Frank Dreihaupt. Zusammen mit einem Landschaftspark, zwei Schlössern, dem Mausoleum,  dem Kunstguss-Pavillon sowie einem künstlich angelegten Wasserfall bilde sie ein in Deutschland einmaliges Ensemble, das erhalten bleiben muss.

Oberstes Ziel des Vereins ist es, die historischen Gießereihallen vor dem vollständigen Verfall zu bewahren. Mit den Land(auf)Schwung-Mitteln möchten die Enthusiasten erst einmal drei Dinge bewirken. „Zum einen wollen wir einen Denkprozess anstoßen, um gemeinsam herauszufinden, was mit den Gießereihallen in Zukunft passieren soll“, sagt Dreihaupt. Außerdem wolle der Verein Finanzierungsmöglichkeiten ausloten. „Dabei wird nichts ausgeschlossen, bis hin zu Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung wird alles geprüft.“ Als drittes wird die Öffentlichkeitsarbeit rund um die Tangerhütter Industriekultur intensiviert.

Gäste und Besucher der Stadt können sich nun im Internet oder auf Flyern über die Tangerhütter Industriekultur informieren. Der Verein öffnete am „Tag des offenen Denkmals“ 2016 die historische Modelltischlerei und plant weitere Vorhaben. Und auch wenn es noch ein weiter Weg ist: Vielleicht wird der Traum irgendwann wirklich wahr und die einmaligen Industriegebäude können erhalten und neu genutzt werden.

Internet: www.industriekultur-tangerhuette.de

Drei Fragen an…

…den Vorsitzenden des Vereins „Aus einem Guss“, Dr. Frank Dreihaupt

Wie kamen Sie auf die Idee zum Projekt?

Frank Dreihaupt: Der Verein „Aus einem Guss“  hat schon vor Jahren damit begonnen, sich um die historischen Anlagen in Tangerhütte zu kümmern. Sie sind eng mit der Geschichte der Stadt verbunden. Ich denke da an das Neue Schloss, eine der ehemaligen Fabrikantenvillen der Industriellenfamilie Wagenführ, im Gartenträume-Park. In der Industriestraße verfallen seit Jahren die von der heutigen Gießerei ungenutzten Gießereihallen. Wer vor der Fassade steht, erkennt sofort die historische Einmaligkeit. Das Modellvorhaben Land(auf)Schwung gab für uns den letzten Ausschlag, uns dieser Gebäude anzunehmen.

Was haben Sie bisher Besonderes bei der Umsetzung des Projektes erlebt?

Dreihaupt: Wir haben am „Tag des offenen Denkmals“ 2016 die ehemalige Modelltischlerei der Gießerei für Besucher geöffnet. An diesem Tag starteten wir offiziell unseren Internetauftritt www.industriekultur-tangerhuette.de. Unter den Besuchern waren auch drei ehemalige Arbeiter aus der historischen Modelltischlerei. Sie betraten die Räumlichkeiten, konnten sich sofort wieder erinnern und berichteten von ihrem Arbeitsalltag vor fast 30 Jahren.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Projektes?

 Dreihaupt: Ich hoffe, dass in der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte, angestoßen durch unsere Aktivitäten, immer mehr Menschen die Bedeutung der historischen Anlagen erkennen. Allein kann das Ensemble niemand erhalten, aber so eine Aufgabe kann zu einer Identifikation mit Geschichte und Heimat beitragen und auch positiv über unsere Region hinausstrahlen.

19.04.2017

© Björn Gäde E-Mail

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