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Landaufschwung

IP Garten - Scan and Send

Gärtnern am Laptop - Teil 2

Martin Kruszka im IPGarten und am virtuellen Beet

Wer möchte nicht gern die Vorzüge der Großstadt genießen und dabei die Annehmlichkeiten des Landlebens spüren? Oder anders ausgedrückt: Im Café in Berlin sitzen, Cappuccino in der Hand, Laptop auf dem Tisch und sich trotzdem wie ein naturverbundener Kleinbauer fühlen? Die Technik macht es möglich und nun auch eine Firma aus der Bundeshauptstadt, die den Trend zum Land in ihre Unternehmensidee aufgenommen hat. Sie nennt sich IPGarten. Land(auf)Schwung unterstützt das innovative Projekt. Mittlerweile bereits in der zweiten Phase.

„Ein IPGarten ist eine Art Mischmasch aus interaktivem Youtube Tutorial mit realem Ertrag unter Anwendung alten Wissens und viel Transparenz.“ So erklärt Martin Kruszka die Idee. Er ist neben Torsten Hütter und Boris Thiemig einer der drei Geschäftsführer der GmbH. Die Abkürzung IP steht für Internetprotokoll. Denn jeder Garten ist mit dem Internet verbunden. Pächter einer Parzelle haben somit die Möglichkeit, über das Netz, von jedem Platz der Welt aus ihren Pflanzen beim Wachsen zuzuschauen. Daneben überträgt der Sendemast im Garten auch Daten, wie etwa zur Bodenfeuchte, Temperatur sowie elektrischen Leitfähigkeit oder zur Menge der Bewässerung.

Die Idee zum IPGarten hatte Geschäftsführer Kruszka. Er legte sich einen Garten in Warnau an. Der Ort befindet sich im Elb-Havel-Winkel und ist rund 100 Kilometer von Berlins Mitte entfernt. Das machte es schwierig, sich ständig um die Pflanzen zu kümmern. Kruszka recherchierte im Internet nach Lösungen und stieß dabei auch auf das Onlinespiel Farmville. Dabei geht es darum, einen virtuellen Bauernhof aufzubauen. So wurde die Idee geboren: ein virtueller Garten mit echtem Ertrag. Kruszka begann damit, seinen Garten im entfernten Warnau über Kamera und das Internet zu überwachen und zu steuern.

Schon mehr als 100 Internet-Gärtner

Mittlerweile machen das schon mehr als 100 virtuelle Gärtner. Denn was als kuriose Idee begann, ist eine Geschäftsidee geworden. In Lindenberg bei Seehausen in der Altmark entstand 2018 auf einem Hektar Ackerfläche die digitale Infrastruktur und Bewässerungstechnologie für die Online-Bewirtschaftung von bis zu 400 Parzellen. Jede dieser kleinen Gärten ist 16 Quadratmeter groß. „Und trotz des Jahrhundertsommers mit extremer Trockenheit konnten wir eine sehr gute Ernte mit nur wenigen Verlusten einbringen“, sagt Geschäftsführer Thiemig. Möglich machte das nicht nur die viele Technik. Vor allem die gelungene Kooperation mit Landwirten, die den Boden tatsächlich bearbeiten und sich täglich um die Pflanzen kümmern, sei der Garant für den Erfolg des Internet-Gartens.

Denn die virtuellen Kleingärtner in Berlin können zwar auf den Bildschirm gucken und sehen, wann ihr Gemüse frisches Wasser benötigt. Er kann auch per Knopfdruck die Pflanzen gießen. Aber nicht alle Arbeiten sind virtuell möglich. Da war der nächste Schritt nur logisch. Mittlerweile kümmern sich vier angestellte Gärtner der IP-Kooperationsbauern vor Ort um den Garten, der ihnen nicht gehört. Zusätzlich bringt ein Lieferant aus der Altmark die Ernte in Kisten in die Hauptstadt. Es partizipieren viele: Der virtuelle Gärtner aus der Großstadt sowie der Kleinbauer und Lieferant, die Aufträge bekommt. Auf einen Nenner: Jobs, frisches Gemüse und ein ordentlicher Beitrag zur Umwelt. Denn der Anbau erfolgt ökologisch und die Lieferkette ist kurz und effizient.

Die Idee wächst derweil weiter. Bei Boris Thiemig und seinen Kollegen melden sich immer mehr Interessenten, um sich einen IP-Garten mieten zu können. Aufgrund der deutschlandweiten Berichterstattung über das einmalige Projekt in den Medien kommen die Anfragen aus der ganzen Republik. Darum denken die Gründer aktuell schon weiter. „Das große Ziel ist die bundesweite Etablierung regionaler IP-Gärten“, sagt Thiemig. Es gebe sogar schon erste Planungsansätze über die Ländergrenzen hinaus. Der aktuelle Standort Lindenberg liege genau zwischen den Metropolen Berlin und Hamburg. Darum sollen sich in einem nächsten Schritt nach der Hauptstadt nun auch Kunden aus der Hansestadt einen IP-Garten zulegen können.

Neues Projekt soll Dokumentation erleichtern

Um in Zukunft effizienter arbeiten zu können, wurde das Projekt „Scan and Send“ gestartet. Damit sollen regionale Kooperationsbauern in die Lage versetzt werden können, bis zu 100 Parzellen und Gemüsekisten pro Erntetag mit einer halben Arbeitskraft bewältigen zu können. „Das innovative System hilft bei der Dokumentation und dem Versand der Ware an den Kunden“, erklärt Thiemig. Unter anderem werde der Ernteertrag dem Gärtner in der Großstadt nicht nur real, sondern auch virtuell als Foto zur Verfügung gestellt. Auch der Zustand der Pflanzen sowie des Bodens sollen dokumentiert werden. Aufgrund der Herausforderungen durch die Trockenheit in diesem Jahr, musste dieses von Land(auf)Schwung unterstützte Projekt zeitlich etwas verschoben werden. Im ersten Halbjahr 2019 soll es aber fertig entwickelt sein und zum Einsatz kommen.

Geht der ursprüngliche Geschäftsplan auf, wirtschaftete das Unternehmen ab dem Jahr 2020 profitabel. Bis dahin müssen rund 2200 Parzellen an Kunden übergeben werden. Und Kleinbauern gefunden werden, die die Fläche real bewirtschaften. „Die Einnahmen für einen Kleinbauern generieren sich durch Zahlungen der Kunden“, sagt Geschäftsführer Hütter. Zusätzliche Einnahmen könnten sie in Zukunft etwa auch durch den Direktverkauf eigener Produkte wie Eier, Obst, Milch erzielen. „Unser Ziel ist es, einen völlig neuen Absatzmarkt zusammen mit den Kleinbauern zu schaffen und die Wertschätzung ihrer Leistung zu steigern.“

 

 

30.09.2018

© Björn Gäde E-Mail

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